↑ Zurück zu Schwerbehinderung

Nachteilsausgleich

Stundenermäßigung

Die Stundenermäßigung für schwerbehinderte Lehrkräfte beruhen auf dem Gedanken, dass schwerbehinderte Lehrkräfte in der Regel für die Erteilung einer Unterrichtsstunde längere Zeit für die Vor- und Nachbereitung bedürfen. Durch die Reduzierung sollen die Betroffenen zeitlich nicht über ihr physisches und psychisches Leistungsvermögen hinaus durch Unterricht in Anspruch genommen werden.

In Abhängigkeit vom Grad der Behinderung wird die Zahl der wöchentlichen Pflichtstunden reduziert um:

 

GdB Vollzeitbeschäftigung Teilzeitbeschäftigung mit mind. 75% Teilzeitbeschäftigung mit mind. 50%
50 – 60 2 1 1
70 – 80 3 2 1,5
90 – 100 4 3 2

Stellen Schwerbehinderte einen Teilzeitantrag von nicht mehr als 2 Stunden, wird die Pflichtstundenermäßigung nicht berührt – dieselbe Regelung gilt im Übrigen auch für die Altersermäßigung.

In besonderen Fällen kann die wöchentliche Pflichtstundenzahl über die Regelermäßigung hinaus befristet ermäßigt werden, soweit die Art der Behinderung dies im Hinblick auf die Unterrichtserteilung erforderlich macht, höchstens aber um vier weitere Stunden. Diese Anträge sind mit einem von der Bezirksregierung vorgegebenen Antragsformular (→ Links & Downloads) sorgfältig zu begründen und auf dem Dienstweg einzureichen. Dabei ist die Erschwernis, insbesondere aus der Unterrichtstätigkeit, möglichst differenziert auszuführen. Zeitgleich mit dem Antrag wird Ihr Schulleiter mit einem Fragebogen zu Ihrer besonderen behinderungsbedingten Situation an der Schule befragt. Damit soll erreicht werden, dass vor der Inanspruchnahme von zusätzlichen Ermäßigungsstunden alle Möglichkeiten der Prävention an der Schule ausgeschöpft werden. U.a. wird auch danach gefragt, ob der Schulleiter ein Teilhabegespräch angeboten hat und dies auch angenommen wurde.

Bei der Unterrichtsverteilung und Stundenplangestaltung ist auf berechtigte Wünsche schwerbehinderter Lehrkräfte in der Regel Rücksicht zu nehmen. Das Gleiche gilt für die Bildung von Lehrerteams sowie für die Übertragung von Sonder- oder Zusatzaufgaben. Die Teilnahme an Konferenzen und besonderen schulischen Veranstaltungen ist auch für schwerbehinderte Lehrkräfte verpflichtend.

Mehrarbeit

Schwerbehinderte Lehrkräfte sind auf ihren Antrag von jeglicher Mehrarbeit zu befreien (§ 124 SGB IX). Dies muss so interpretiert werden, dass Schwerbehinderte nur nach ihrer Zustimmung zu Vertretungsunterricht und Vertretungsreserve herangezogen werden können. Ich empfehle, die eventuelle Bereitschaft zu Vertretungsunterricht zu Beginn eines Schuljahrs mit der Schulleitung zu besprechen.
Schwerbehinderte mit zusätzlicher Pflichtstundenermäßigung sind grundsätzlich von Mehrarbeit freizustellen.

Pausenaufsichten und Klassenfahrten

Bei Pausenaufsichten sind die Belange der schwerbehinderten Lehrerinnen und Lehrer angemessen zu berücksichtigen. Je nach Art der Beeinträchtigung sollen Schwerbehinderte von der Übernahme von Aufsichten entbunden werden.

Auch Schulwanderungen und Schulfahrten sind schwerbehinderten Lehrkräften nur mit ihrer ausdrücklichen Zustimmung zu übertragen. Ein weiterer Begleiter ist zulässig, auch wenn dies nach der Zahl der teilnehmenden SchülerInnen nicht notwendig wäre.

Fortbildung, Beurlaubung, Abordnung, Versetzung

Schwerbehinderte sind zu Fortbildungsmaßnahmen bevorzugt zuzulassen. Bei der Gewährung von Sonderurlaub und bei Arbeitsbefreiung (z.B. Fortbildung) ist „großzügig“ zu verfahren.

Ein Einsatz an mehreren Schulstandorten soll vermieden werden.

Gegen ihren Willen können Schwerbehinderte nur aus dringenden dienstlichen Gründen versetzt werden; dem eigenen Versetzungsantrag soll aber nach Möglichkeit entsprochen werden.

Dienstliche Beurteilung

Eine bevorstehende dienstliche Beurteilung muss der Schwerbehindertenvertretung zur Kenntnis gegeben werden. Sofern der Schwerbehinderte dies wünscht, nimmt die Schwerbehindertenvertretung an allen Abnahmen der Leistungsnachweise teil.

Bei der Beurteilung der Leistung schwerbehinderter Menschen ist eine etwaige Minderung der Arbeits- und Einsatzfähigkeit (geringere Quantität der Arbeitsleistung, die auf die Schwerbehinderung zurückgeht) zu berücksichtigen und darf das Beurteilungsergebnis nicht negativ beeinflussen.

Bei der Auswahlentscheidung zwischen gleich beurteilten Bewerbern ist die Schwerbehinderung als ein rechtlich anerkanntes Hilfskriterium zu berücksichtigen.

Gestaltung von Arbeitsplätzen

Schwerbehinderte/gleichgestellte Menschen haben gegenüber ihrem Arbeitgeber Anspruch auf behindertengerechte Arbeitsplatzgestaltung. Dazu gehören:

  1. bauliche Maßnahmen (zuständig: Integrationsamt der zuständigen Bezirksregierung)
  2. technische Arbeitshilfen (zuständig: örtliche Fürsorgestelle des Schulortes oder Integrationsamt bei größerem finanziellen Volumen)
  3. personelle Hilfestellungen (z.B. Arbeitsassistenz oder Kosten für Supervision, zuständig: Integrationsamt)

Bei Angestellten ist zu prüfen, ob der Reha-Träger die Kosten trägt.

Print Friendly

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://gew-aachen.de/sbv/nachteilsausgleich/